Die Zukunft unserer Verteidigung ist unternehmerisch

Die Anforderungen an eine moderne Verteidigung verändern sich, und damit auch die Unternehmen, die daran arbeiten. Im Bereich Defence Tech entstehen zunehmend kleinere, autonome Systeme, die grosse Plattformen ergänzen oder ersetzen. Startups sind dafür gut aufgestellt. Sie entwickeln schnell und reagieren flexibel auf neue Anforderungen. Doch eine gute Idee allein reicht nicht. Die Rahmenbedingungen entscheiden darüber, ob daraus eine Lösung für die Praxis wird. 

Die Schweiz hat Defence Tech bisher vor allem als Beschaffungsthema behandelt. Das reicht nicht mehr. Wer ein funktionierendes Defence-Tech- und Dual-use-Ökosystem will, muss dessen Aufbau als Teil der Sicherheits- und Standortpolitik verstehen. 

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welche Technologie die Schweiz beschafft, sondern ob sie hierzulande ein Umfeld schafft, in dem sicherheitsrelevante Innovationen entstehen und wachsen können.

Die militärische Logik verändert sich

Neben grossen, komplexen und kostenintensiven Systemen gewinnen kleinere und günstigere Lösungen an Bedeutung. Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Anpassungsfähigkeit werden dabei zu entscheidenden Faktoren.

Drohnen und autonome Systeme profitieren von Fortschritten aus der Konsumgüterindustrie. Komponenten werden leistungsfähiger und günstiger, während sich die Entwicklungszyklen verkürzen. Technologien, die früher vor allem grossen Rüstungskonzernen vorbehalten waren, sind heute auch für kleinere Unternehmen zugänglich. 

Das kommt Startups zugute.  Sie entwickeln schnell, können ihre Lösungen laufend verbessern und flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren. Damit daraus Produkte für den praktischen Einsatz entstehen, brauchen sie jedoch einen direkten Draht zu den späteren Anwendern.

Der Staat als Kunde und Entwicklungspartner

Eine gute Technologie allein schafft noch keine einsatzfähige Lösung. Unternehmen müssen verstehen, was Anwender wirklich brauchen und wie sich neue Produkte in bestehende Systeme und Abläufe einfügen lassen.

Startups brauchen deshalb einen klaren Zugang zu Armee, Bund und öffentlicher Beschaffung. Heute ist für viele Unternehmen nicht ersichtlich, an welche Stelle sie sich mit einer neuen Lösung wenden können oder wie aus einem ersten Kontakt eine konkrete Zusammenarbeit entsteht.

Öffentliche Aufträge schaffen nicht nur Umsatz. Sie ermöglichen praktische Erfahrungen, liefern wichtige Referenzen und bilden die Grundlage für weiteres Wachstum. Wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen jungen Unternehmen und den späteren Anwendern ist, betont auch Mathias Maurer, CEO von Swiss Innovation Forces: «In der Verteidigung entscheiden heute Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit. Neue Technologien schaffen erst dann einen Mehrwert, wenn sie schnell bei der Truppe ankommen. Die Swiss Innovation Forces etablieren dafür das passende Ökosystem: Wir bringen Start-ups, Industrie und Beschaffung zusammen, weil Verteidigung unternehmerischen Mut braucht, um nicht abgehängt zu werden.» 

Der Staat kann Innovation daher besonders wirksam fördern, indem er selbst als anspruchsvoller Kunde und Entwicklungspartner auftritt. Das setzt voraus, dass auch der Staat unternehmerischer denkt, wobei er nicht nur Technologie einkauft, sondern aktiv an seiner Weiterentwicklung mitwirkt. Dabei genügt es nicht, neue Technologien lediglich einzukaufen. Ebenso wichtig ist ihre Integration in bestehende Abläufe. Zuständigkeiten, Ausbildung und operative Prozesse müssen von Anfang an mitgedacht werden.

Die öffentliche Beschaffung sollte Startups früher einbeziehen und ihnen ermöglichen, ihre Lösungen gemeinsam mit den späteren Anwendern weiterzuentwickeln.

Mehr Raum für Tests und Skalierung

Ob eine Technologie unter realen Bedingungen funktioniert, lässt sich nicht im Labor allein beurteilen. Drohnen und autonome Systeme müssen über ausreichende Distanzen, unter wechselnden Bedingungen und zusammen mit den späteren Anwendern erprobt werden können. 

Wer in der Schweiz eine Drohne über mehr als 600 Meter testfliegen will, muss dafür oft ins Ausland ausweichen. Das kann für einen Innovationsstandort kein Zustand sein. „Für Startups mit begrenzten Ressourcen verlängert das den Entwicklungszyklus. 

Die Schweiz braucht deshalb bessere Testinfrastrukturen und klar definierte Experimentierräume. Ein konkreter Schritt ist die Motion von Markus Schnyder. Sie will Startups und KMU den Zugang zu Schweizer Schiess- und Waffenplätzen ermöglichen (mehr dazu im letzten Beitrag).

Gleichzeitig können bereits jetzt bestehende Spielräume konsequenter genutzt werden: Zuständigkeiten geklärt, Verfahren beschleunigt und Pilotprojekte ermöglicht , ohne auf neue Gesetze zu warten. 

Politische Rahmenbedingungen als Standortfaktor

Die Schweiz hat gute Voraussetzungen, um sich als Standort für Defence Tech zu etablieren. Qualität, Präzision und Verlässlichkeit machen «Swiss made» gerade bei sicherheitsrelevanten Technologien zu einem echten Argument.

Dieses Potenzial bleibt aber ungenutzt, wenn der politische Rahmen den Export und die internationale Skalierung unnötig erschwert. Wo Schweizer Unternehmen beim Marktzugang im Ausland strukturell benachteiligt sind, ist das keine Naturgegebenheit, sondern eine politische Frage.

Schweizer Sicherheitsinteressen stehen dabei nicht zur Debatte. Wohl aber die Frage, ob die geltenden Regeln so gestaltet sind, dass Startups überhaupt eine realistische Chance auf internationale Kunden haben. 

Dafür brauchen Unternehmen neben einem verlässlichen regulatorischen Umfeld auch Zugang zu langfristigem Wachstumskapital. Das Beispiel Auterion zeigt, was sonst passiert. Das Schweizer Drohnen-Softwareunternehmen hat seinen Hauptsitz in die USA verlagert, wo Regierungs- und Verteidigungsaufträge, Kapital und günstigere Rahmenbedingungen zugänglicher sind. Technologische Kompetenz, die in der Schweiz entsteht, sollte auch hier bleiben können, als Arbeitgeber, als Innovationsmotor und als Teil einer eigenständigen sicherheitspolitischen Basis. 

Jetzt entscheidet sich, wo die nächste Generation entsteht

Die Schweiz verfügt über Forschung, technologische Kompetenz und starke Unternehmen. Ob daraus ein international relevantes Defence-Tech-Ökosystem entsteht, hängt davon ab, ob der Staat seine Rolle neu versteht: nicht nur als Regulator und Einkäufer fertiger Systeme, sondern als anspruchsvoller erster Kunde, Entwicklungspartner und Ermöglicher.

Dafür braucht es keine pauschale Bevorzugung von Startups. Es braucht transparente Zugänge, realitätsnahe Testmöglichkeiten, innovationsfreundliche Beschaffungsprozesse und verlässliche Rahmenbedingungen. Gelingt dies, stärkt die Schweiz nicht nur ihren Innovationsstandort, sondern auch ihre eigene sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit. Die Zukunft unserer Verteidigung ist deshalb tatsächlich unternehmerisch, sie muss aber politisch ermöglicht werden.

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