Politics

Talente, Arbeitsmarkt und Bildung

Der Zugang zu qualifizierten Fachkräften, auch aus Drittstaaten, muss erleichtert werden. Dafür braucht es schnellere und digitalisierte Arbeitsbewilligungsverfahren sowohl für Angestellte als auch für Gründerinnen und Gründer. Gleichzeitig sind faire und Startup-taugliche Rahmenbedingungen wie moderne Mitarbeiterbeteiligungsmodelle und eine bessere soziale Absicherung für Gründerinnen und Gründer entscheidend. Ergänzend braucht es einen bildungspolitischen Kulturwandel, in dem Unternehmertum und Innovationsdenken früh in den Lehrplänen verankert werden, sowie ein Arbeitsrecht, das flexible Modelle für Startups ermöglicht.

Mitarbeiterbeteiligung (ESOP/PSOP) Startup-freundlich regeln

Mitarbeiterbeteiligungen sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für innovative Startups. Gleichzeitig erschweren komplexe steuerliche Regelungen und unterschiedliche kantonale Praktiken ihren Einsatz. Erfahren Sie, weshalb Handlungsbedarf besteht, welche Reformen die Swiss Startup Association fordert und wie der aktuelle politische Stand aussieht.

→ Mehr zu Mitarbeiterbeteiligungen (ESOP & PSOP)

Soziale Sicherheit für Gründerinnen und Gründer

Problem
Gründerinnen und Gründer tragen ein hohes persönliches Risiko und verzichten während des Unternehmensaufbaus häufig auf einen marktüblichen Lohn. Scheitert das Startup, haben sie trotz geleisteter Beiträge oft keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, solange sie formell eine arbeitgeberähnliche Stellung innehaben.

Auswirkungen
Die fehlende Absicherung erhöht das persönliche Risiko einer Gründung erheblich. Das kann Menschen davon abhalten, ein Unternehmen aufzubauen, und trifft insbesondere Gründerinnen und Gründer ohne grosses finanzielles Polster.

Forderung
Wir fordern einen fairen Zugang zur Arbeitslosenversicherung für Gründerinnen und Gründer, die nachweislich in die Versicherung einbezahlt haben. Dafür braucht es klare Voraussetzungen und ein Modell, das Missbrauch verhindert, aber der Realität unternehmerischer Tätigkeit gerecht wird.

Aktueller Stand
Im Sommer 2026 wurde die parlamentarische Initiative von Nationalrat Andri Silberschmidt (20.406) von den zuständigen Kommissionen des National- und Ständerats angenommen und an den Bundesrat für die Ausarbeitung überwiesen. Die geplante Gesetzesänderung sieht vor, dass Gründerinnen und Gründer künftig Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erhalten, wenn sich ihr Unternehmen in Liquidation befindet oder sie ihre beherrschende Stellung vollständig aufgegeben haben. Damit soll erstmals ein klarer Versicherungsschutz für Personen geschaffen werden, die Beiträge an die Arbeitslosenversicherung bezahlen, bisher aber faktisch von Leistungen ausgeschlossen waren.

Mehr Spin-offs aus Hochschulen und Forschungsinstituten ermöglichen

Problem
Die Schweiz verfügt über hervorragende Hochschulen und eine starke Forschung. Trotzdem werden wissenschaftliche Erkenntnisse noch zu selten in neue Unternehmen überführt. Unklare Prozesse, komplizierte IP-Übertragungen und teilweise hohe Beteiligungsforderungen der Hochschulen können Gründungen und spätere Finanzierungsrunden erschweren.

Auswirkung
Wenn vielversprechende Forschung nicht in marktfähige Produkte und Unternehmen übersetzt wird, bleiben Innovation, Arbeitsplätze und Wertschöpfung ungenutzt. Unattraktive Bedingungen können zudem dazu führen, dass Gründungsteams oder Technologien ins Ausland abwandern.

Forderung
Wir fordern transparente und einfache Regeln für Technologietransfer und IP-Übertragungen sowie faire Beteiligungsmodelle der Hochschulen. Forschende und Studierende sollen durch geeignete Förderprogramme, Finanzierung und hochschulübergreifende Angebote systematisch bei der Gründung unterstützt werden.

Aktueller Stand
Die Swiss Startup Association bringt das Thema derzeit auf kantonaler und nationaler Ebene voran und findet Antworten auf die Frage wie Schweizer Hochschulen und Universitäten das unternehmerischen Potenzial besser ausschöpfen können.

Einfachere und schnellere Arbeitsbewilligungen für Angestellte aus Drittstaaten

Problem
Startups sind häufig auf hoch spezialisierte Fachkräfte aus Staaten ausserhalb der EU und EFTA angewiesen. Das heutige Bewilligungsverfahren führt jedoch über kantonale Stellen und den Bund, ist wenig einheitlich und dauert bei vollständigen Gesuchen häufig sechs bis acht Wochen oder länger.

Auswirkung
Startups müssen schnell auf technologische Entwicklungen und neue Marktchancen reagieren. Lange und schwer planbare Verfahren verzögern Einstellungen und können dazu führen, dass dringend benötigte Talente oder ganze Teams einen anderen Standort wählen.

Forderung
Wir fordern ein vollständig digitales, transparentes und schweizweit einheitliches Verfahren. Vollständige Gesuche sollen vom Eingang bis zum definitiven Entscheid innerhalb von maximal zwei Wochen bearbeitet werden. Dabei geht es in erster Linie nicht um höhere Kontingente, sondern um schnellere und verlässlichere Prozesse.

Aktueller Stand
Die Swiss Startup Association arbeitet mit mehreren Kantonen an der Einführung eines Pilotprojekts. Zusätzlich dazu werden Optionen geprüft, wie das Thema auch auf nationaler Ebene weiter vereinfacht und verfolgt werden kann.

Einfachere und schnellere Arbeitsbewilligungen für Gründerinnen und Gründer aus Drittstaaten

Problem
Die Schweiz kennt keine besondere Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für internationale Startup-Gründerinnen und -Gründer. Wer aus einem Drittstaat ein Unternehmen in der Schweiz aufbauen möchte, trifft auf unklare Kriterien und hohe bürokratische Hürden. Teilweise werden Nachweise verlangt, die ohne bestehenden Aufenthalt kaum erbracht werden können, etwa ein Schweizer Bankkonto oder ein Mietvertrag.

Auswirkung
Innovative Gründerinnen und Gründer entscheiden sich deshalb möglicherweise für Länder mit klareren und schnelleren Startup-Visa. Die Schweiz verliert dadurch Unternehmen, Talente, Investitionen und zukünftige Arbeitsplätze, bevor diese überhaupt hier entstehen können.

Forderung
Wir fordern eine besondere Bewilligung für innovative Gründerinnen und Gründer aus Drittstaaten. Das Verfahren soll digital, schnell und anhand transparenter Kriterien erfolgen. Eine zentrale englischsprachige Anlaufstelle soll internationale Gründer durch den gesamten Prozess begleiten; anerkannte Innovationsprogramme könnten die Qualität der Vorhaben bestätigen.

Aktueller Stand
Die Swiss Startup Association bringt die Forderung nach einem eigenen Startup-Visum derzeit in die politische und öffentliche Diskussion ein. Als Vorbild dient Estland, wo Gründungsvorhaben digital eingereicht und innerhalb von zehn Tagen beurteilt werden. Für die Schweiz schlagen wir ein ähnliches, schnelles Verfahren vor: Ein unabhängiges Gremium aus Startup-Expertinnen, Investoren und erfahrenen Gründerinnen soll das Potenzial der eingereichten Vorhaben anhand klarer Kriterien prüfen.

Unternehmertum in der Bildung verankern

Problem
Unternehmerisches Denken wird im Schweizer Bildungssystem bislang nur punktuell vermittelt. Ob Schülerinnen, Schüler und Studierende Einblick in Unternehmensgründung, Geschäftsmodelle oder Finanzierung erhalten, hängt häufig von freiwilligen Angeboten und dem Engagement einzelner Lehrpersonen ab.

Auswirkung
Viele junge Menschen lernen Unternehmertum nicht als realistische berufliche Möglichkeit kennen. Dadurch bleiben Ideen, Eigeninitiative und wirtschaftliches Potenzial ungenutzt, und der Schweiz fehlt langfristig eine breit verankerte Gründungs- und Innovationskultur.

Forderung
Wir fordern, unternehmerische Kompetenzen auf Sekundarstufe II sowie in der höheren Berufsbildung und an Hochschulen systematisch zu verankern. Dazu gehören praxisnahe Kurse, Startup-Zentren und gemeinsame Projekte von Bildungsinstitutionen und Startups.

Flexible Arbeitszeitmodelle für Startups

Problem
Das Schweizer Arbeitsrecht orientiert sich stark an traditionellen Arbeitsmodellen. Starre Regeln zu Arbeitszeiten, Überstunden, Homeoffice und grenzüberschreitender Arbeit passen nur begrenzt zu projektbasierten und internationalen Startup-Teams.

Auswirkung
Startups benötigen Flexibilität, um auf intensive Projektphasen und internationale Märkte reagieren zu können. Unklare oder unzeitgemässe Regeln verursachen administrativen Aufwand und erschweren moderne Arbeitsmodelle, mit denen Startups Talente gewinnen und halten.

Forderung
Wir fordern ein modernes Arbeitsrecht, das projektbasierte Arbeitszeitmodelle sowie Homeoffice, hybride und grenzüberschreitende Arbeit ermöglicht. Dabei müssen der Gesundheitsschutz und die berechtigten Interessen der Mitarbeitenden weiterhin gewährleistet bleiben.

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