Innovation endet nicht im Labor
Die grösste Herausforderung vieler Innovationen beginnt nicht mit der Forschung, sondern danach. Zwischen einer vielversprechenden Idee und einem marktfähigen Produkt liegt oft das sogenannte «Valley of Death». Jene Phase, in der viele Technologien scheitern, weil der Schritt aus der Forschung in die Praxis nicht gelingt. Häufig fehlen geeignete Möglichkeiten, neue Lösungen unter realen Bedingungen zu testen, Erfahrungen zu sammeln und sie bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.
Genau dieses Spannungsfeld greift die Motion des Glarner Nationalrats und Unternehmers Markus Schnyder auf. Der parlamentarische Vorstoss 25.4064 «Rüstungsinnovation fördern. Start-Ups den Zugang zu Waffenplätzen ermöglichen» wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie schafft die Schweiz Rahmenbedingungen, damit Innovationen schneller den Weg aus der Forschung in die Anwendung und schliesslich in den Markt finden?

Die Motion als Impuls für mehr Innovation
Markus Schnyder verbindet dabei zwei Perspektiven: jene des Unternehmers und jene des Politikers. Aus seiner Erfahrung schreitet die technologische Entwicklung oft schneller voran als politische oder administrative Prozesse – wodurch im internationalen Wettbewerb wertvolle Zeit verloren geht. Entscheidend sei deshalb, Entwickler und spätere Anwender möglichst früh an einen Tisch zu bringen.
«Man muss diejenigen, die Innovation entwickeln, mit denen zusammenbringen, die sie später anwenden.»
Wer neue Technologien bereits während der Entwicklung im praktischen Einsatz testet, kann frühzeitig wichtige Erkenntnisse gewinnen. So entstehen Produkte, die nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch den tatsächlichen Bedürfnissen der späteren Nutzer entsprechen.
Warum Testfelder über Erfolg entscheiden
Ob sich eine neue Technologie bewährt, zeigt sich selten unter idealen Laborbedingungen. Erst im realen Einsatz wird sichtbar, wie sie funktioniert, wo Optimierungsbedarf besteht und welches Potenzial sie tatsächlich entfalten kann.
Genau hier kommen Testfelder und Reallabore ins Spiel. Sie ermöglichen es Startups, neue Technologien frühzeitig unter realen Bedingungen zu erproben, ihre Produkte gezielt weiterzuentwickeln und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig fördern sie den Austausch zwischen Startups, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und der öffentlichen Hand. Viele innovationsstarke Länder setzen deshalb gezielt auf solche Experimentierräume, um Entwicklungszyklen zu verkürzen und Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen.
«Als Unternehmer probiert man aus. Genau dieses Mindset braucht es auch stärker in Politik und Verwaltung.»
Statt neue Technologien ausschliesslich durch langwierige Verfahren zu begleiten, plädiert Schnyder für kontrollierte Experimentierräume, in denen Erfahrungen gesammelt und Lösungen schrittweise verbessert werden können. Innovation entsteht dort, wo Ideen unter realen Bedingungen getestet und kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Das Potenzial von Dual-Use
Im Gespräch wird zudem deutlich, dass die Motion einen weiteren wichtigen Trend aufgreift: die zunehmende Bedeutung von Dual-Use-Technologien. Viele Zukunftstechnologien entfalten ihren Nutzen heute sowohl im zivilen als auch im sicherheitsrelevanten Bereich. Entscheidend ist, dass dieselben Technologien unterschiedliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen lösen können.
Drohnen, Künstliche Intelligenz oder Robotik verdeutlichen diese Entwicklung. Dieselbe Technologie kann Solaranlagen inspizieren, landwirtschaftliche Flächen vermessen, Material transportieren oder Such- und Rettungseinsätze unterstützen.
Wer die Entwicklung und Erprobung solcher Technologien erleichtert, stärkt nicht nur einzelne Startups. Es entstehen Lösungen, die weit über ihren ursprünglichen Einsatzbereich hinaus Wirkung entfalten und gleichzeitig zur technologischen Souveränität sowie zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz beitragen.
Freiraum statt Regulierung
Exzellente Forschung und unternehmerischer Mut allein genügen nicht. Innovation braucht auch regulatorische Rahmenbedingungen, die Experimente ermöglichen und neue Technologien nicht unnötig ausbremsen.
«Die Politik sollte nicht jedes Detail regulieren. Innovation braucht Freiräume.»
Dazu zählen geeignete Testmöglichkeiten, regulatorische Experimentierräume und ein enger Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Startups und Behörden. Wo unterschiedliche Perspektiven früh zusammenkommen, können neue Technologien schneller getestet, weiterentwickelt und erfolgreich in den Markt überführt werden.
Fazit: Innovation braucht die richtigen Rahmenbedingungen
Die Motion von Markus Schnyder steht exemplarisch für ein grösseres Anliegen: Gute Ideen entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie den Weg aus der Forschung in die praktische Anwendung finden.
Dieses Anliegen greift auch die Startup-Agenda Schweiz der Swiss Startup Association auf. Ein wettbewerbsfähiger Innovationsstandort braucht nicht nur exzellente Forschung, Kapital und Talente, sondern auch Rahmenbedingungen, die es Startups ermöglichen, neue Technologien unter realen Bedingungen zu testen, weiterzuentwickeln und erfolgreich in den Markt zu bringen.
Nur wenn es gelingt, das «Valley of Death» zwischen Forschung und Anwendung zu überwinden, entstehen aus vielversprechenden Ideen erfolgreiche Unternehmen, neue Arbeitsplätze und langfristige Wertschöpfung.
Innovation entsteht nicht allein durch gute Ideen. Sie entsteht dort, wo neue Technologien erprobt, weiterentwickelt und erfolgreich in die Praxis gebracht werden können. Genau deshalb sind innovationsfreundliche Rahmenbedingungen eine zentrale Voraussetzung für den langfristigen Erfolg des Innovationsstandorts Schweiz.
Bild: zVg / Markus Schnyder
