Politics

Staat, Regulierung und Standortpolitik

Innovative Unternehmen dürfen nicht an veralteten Strukturen scheitern. Die Behördenleistungen müssen digital, effizient und Startup-freundlich gestaltet werden. Eine durchgängig digitale Firmengründung in wenigen Tagen, ein One-Stop-Shop für alle behördlichen Belange sowie der Abbau überbordender Regulierung sind essenziell. Zudem gilt es, unnötige Eingriffe wie ein Investitionsprüfgesetz zu verhindern, um das offene Innovationsklima der Schweiz zu wahren. Gleichzeitig müssen steuerliche und rechtliche Hürden abgebaut werden.

Effiziente und digitale Behördenleistungen

Problem
Eine Unternehmensgründung und viele weitere Behördengänge sind in der Schweiz noch nicht vollständig digital möglich. Unterschiedliche kantonale Prozesse, Papierformulare und wenig vernetzte Stellen verursachen Medienbrüche, Wartezeiten und zusätzliche Kosten.

Auswirkung
Startups verfügen über kleine Teams und müssen ihre Ressourcen auf Produkt, Kundinnen und Kunden sowie Wachstum konzentrieren. Langsame und fragmentierte Verfahren binden Zeit und Kapital und machen die Schweiz gegenüber vollständig digitalen Standorten weniger attraktiv.

Forderung
Wir fordern ein zentrales digitales Portal, über das alle startup-relevanten Prozesse durchgängig abgewickelt werden können – von der Gründung über Steueranmeldungen bis zu Bewilligungen. Papierformulare sollen entfallen und klar definierte Verfahren innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden.

Enge Zusammenarbeit mit Europa, Horizon-Programmen und stärkere internationale Verknüpfung

Problem
Schweizer Startups sind auf internationale Märkte, Forschungskooperationen und europäische Förderprogramme angewiesen. Die Schweiz ist heute zwar wieder an Horizon Europe und Digital Europe assoziiert. Die langfristige Teilnahme ist jedoch noch nicht definitiv gesichert. Gleichzeitig bestehen beim Zugang zum europäischen Binnenmarkt weiterhin Hürden, etwa durch fehlende gegenseitige Anerkennung von Produktvorschriften.

Auswirkung
Der Schweizer Markt ist für viele Startups zu klein, um langfristig zu wachsen. Unsichere Forschungskooperationen und doppelte Zulassungs- oder Konformitätsverfahren verursachen zusätzliche Kosten und verzögern den Markteintritt in Europa. Besonders betroffen sind Unternehmen in regulierten Branchen wie der Medizintechnik. Dadurch wird es schwieriger, internationale Projekte aus der Schweiz heraus aufzubauen und die Wertschöpfung im Land zu halten.

Forderung
Wir setzen uns für eine langfristig gesicherte Teilnahme der Schweiz an Horizon Europe, Digital Europe und künftigen europäischen Innovationsprogrammen ein. Gleichzeitig sollen Schweizer Startups möglichst einfach Zugang zum europäischen Markt erhalten. Dazu braucht es stabile Beziehungen zur EU, die gegenseitige Anerkennung von Produktvorschriften und den Abbau unnötiger regulatorischer Doppelspurigkeiten.

Aktueller Stand
Die Schweiz nimmt wieder an Horizon Europe und Digital Europe teil. Schweizer Startups können dadurch EU-Fördermittel direkt beantragen, internationale Projekte koordinieren und Instrumente wie den EIC Accelerator nutzen. Diese Teilnahme wird derzeit jedoch provisorisch angewendet und ist mit dem weiteren Vorgehen beim Paket Schweiz–EU verbunden. Die Swiss Startup Association zeigt deshalb auf, welche Bedeutung stabile Beziehungen zu Europa für Forschung, Finanzierung und Marktzugang haben, und bringt die Perspektive der Startups in die politische Diskussion ein.

Abschaffung der Stempelsteuer

Jede Finanzierungsrunde soll Wachstum ermöglichen und nicht durch zusätzliche Steuern gebremst werden. Erfahren Sie, weshalb die Reform der Emissionsabgabe für Schweizer Startups so wichtig ist und wie sich die Swiss Startup Association für bessere Rahmenbedingungen einsetzt.

→ Mehr zur Reform der Emissionsabgabe

Verlustvortrag auf 10 Jahre ausweiten

Problem
Startups, insbesondere im Deep-Tech- und Life-Sciences-Bereich, benötigen oft viele Jahre, bis sie Gewinne erzielen. Steuerliche Verluste können heute grundsätzlich nur sieben Jahre mit späteren Gewinnen verrechnet werden. Bis ein Unternehmen profitabel ist, kann ein Teil der frühen Verluste bereits verfallen sein.

Auswirkung
Startups können ihre hohen Investitionen in Forschung und Marktentwicklung dadurch steuerlich weniger wirksam berücksichtigen als Unternehmen mit kürzeren Entwicklungszyklen. Das erhöht die spätere Steuerbelastung und benachteiligt langfristige Innovationsprojekte.

Forderung
Wir fordern, den steuerlichen Verlustvortrag von sieben auf zehn Jahre zu verlängern. Zusätzlich sollen flexiblere Modelle der Verlustverrechnung geprüft werden, die den langen Entwicklungs- und Finanzierungszyklen von Startups Rechnung tragen.

Aktueller Stand
Das Parlament hat die Verlängerung der steuerlichen Verlustverrechnung von sieben auf zehn Jahre im Dezember 2025 beschlossen. Sie gilt für Verluste ab dem Steuerjahr 2020 und soll voraussichtlich am 1. Januar 2028 in Kraft treten. Damit wurde eine zentrale Forderung der Startup Agenda umgesetzt. Die längere Frist berücksichtigt insbesondere die langen Entwicklungs- und Investitionsphasen von Startups besser. Bundesgesetz zur Erstreckung der Verlustverrechnung

Innovationszonen nach Artikel 64 BV schaffen

Problem
Neue Technologien treffen häufig auf Regeln und Bewilligungsverfahren, die für bestehende Märkte entwickelt wurden. In der Schweiz fehlen klar definierte Räume, in denen Startups innovative Anwendungen zeitlich und räumlich begrenzt unter realen Bedingungen testen können.

Auswirkung
Ohne Pilotmöglichkeiten gelangen Innovationen langsamer in die Anwendung. Startups können ihre Technologien nicht ausreichend erproben, erhalten später erste Referenzkundinnen und -kunden und weichen mit Tests oder Unternehmensaktivitäten teilweise ins Ausland aus.

Forderung
Wir fordern rechtliche Grundlagen für Innovationszonen und regulatorische Sandboxes. Befristete und kontrollierte Ausnahmebewilligungen sollen Pilotprojekte ermöglichen, begleitet durch Behörden und Forschung. Erfolgreiche Lösungen sollen anschliessend in eine breitere Regulierung überführt werden können.

Aktueller Stand
Die Swiss Startup Association begleitet die politische Diskussion über Innovationszonen und entwickelt konkrete Anwendungsfälle. Im Fokus stehen zunächst Pilotprojekte in Robotik und Mobilität sowie im Bereich künstliche Intelligenz. Dazu führen wir Gespräche mit Behörden, Kantonen, Forschungseinrichtungen und potenziellen Testpartnern. Zudem unterstützen wir politische Initiativen auf Bundesebene, unter anderem Islam / Schnyder.

Anpassung des Sanierungsrechts an die Startup-Realität

Problem
Startups investieren in ihrer frühen Phase viel Kapital und erzielen zunächst oft geringe Umsätze. Dadurch können ein Kapitalverlust oder eine Überschuldung nach Obligationenrecht früh eintreten, obwohl das Geschäftsmodell intakt ist und weitere Finanzierungsrunden geplant sind.

Auswirkung
Die geltenden Sanierungspflichten können Unsicherheit auslösen, administrativen Aufwand verursachen und das Vertrauen von Investoren oder Geschäftspartnern schwächen. Sie berücksichtigen die typischen Finanzierungszyklen wachsender Startups nur unzureichend.

Forderung
Wir fordern startup-kompatible Sanierungsregeln und verhältnismässige Fristen bei Kapitalverlust und Überschuldung. Dabei sollen der Gläubigerschutz gewahrt und zugleich tragfähige, durch Investoren finanzierte Wachstumsmodelle angemessen berücksichtigt werden.

Swiss R&D Fellowship-Programm schaffen

Problem
Der internationale Wettbewerb um herausragende Forschende und ihre Teams nimmt zu. Die Schweiz verfügt zwar über exzellente Hochschulen, benötigt aber attraktive und international sichtbare Angebote, um zusätzliche Spitzenkräfte gezielt für den Forschungs- und Innovationsstandort zu gewinnen.

Auswirkung
Spitzenforschende bringen Wissen, Netzwerke und neue Forschungsprojekte mit und können die Grundlage für spätere Spin-offs schaffen. Ohne wettbewerbsfähige Angebote verpasst die Schweiz die Chance, zusätzliche Talente, Technologien und Investitionen anzuziehen.

Forderung
Wir fordern ein nationales Swiss R&D Fellowship mit attraktiven Förderbedingungen für internationale Spitzenforschende. Das Programm soll den Aufbau von Teams und Infrastruktur an Schweizer Hochschulen und Innovationszentren unterstützen und international aktiv beworben werden.

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