Von SEO zu GEO: Warum ChatGPT & Co Ihr Unternehmen noch nicht empfiehlt und wie Sie das beeinflussen

Fragen Sie ChatGPT, welcher Anbieter in Ihrer Branche zu empfehlen ist. Die Antwort nennt zwei, drei Namen, oft mit Link. Taucht Ihr Startup darin auf? Für viele Gründerinnen und Gründer lautet die ehrliche Antwort: nein. Dieser Beitrag zeigt, woran das liegt, wie Sie es in 15 Minuten selbst überprüfen und wie Sie mit dem 3-Ebenen-Modell Schritt für Schritt zur Empfehlung werden, in Google und in KI-Suchen.

Die neue Frage lautet: Werde ich genannt?

Die Schweiz hat ihr Suchverhalten in Rekordzeit verändert. Laut IGEM-Digimonitor 2026 nutzen inzwischen 80 Prozent der Bevölkerung KI-Tools, doppelt so viele wie 2024. 57 Prozent setzen sie für Recherchen ein, knapp 40 Prozent lassen sich beim Einkauf beraten. Damit sind KI-Plattformen bei Kaufentscheidungen bereits etwa so wichtig wie YouTube. Mit grossem Abstand am meisten genutzt wird ChatGPT mit 67 Prozent, gefolgt von Gemini und Copilot.

Abbildung 1: KI-Nutzung in der Schweiz

Auch Google antwortet zunehmend selbst: In der Schweiz erscheinen seit März 2025 KI-Übersichten über den Suchergebnissen, seit Oktober 2025 gibt es zusätzlich den KI-Modus. Was das bedeutet, zeigt eine Auswertung des Pew Research Center aus den USA: Mit KI-Zusammenfassung klickten Nutzende nur bei 8 Prozent der Besuche auf ein klassisches Suchergebnis, ohne Zusammenfassung bei 15 Prozent. Auf die Links innerhalb der Zusammenfassung klickten sie bei rund 1 Prozent der Besuche. Für viele Menschen ist die KI-Antwort also bereits die eigentliche Antwort.

Seit dem 24. August 2026 kommt eine weitere Entwicklung dazu: ChatGPT zeigt nun auch in der Schweiz Werbung, allerdings nur in der Gratis- und der Go-Version, unterhalb der Antwort und klar gekennzeichnet. Laut OpenAI beeinflussen die Anzeigen die Antwort selbst nicht. Genau hier wird es für Startups spannend: Den Werbeplatz unter der Antwort kann man kaufen, die Empfehlung in der Antwort nicht. Wir testen den neuen Kanal bereits mit Kunden wie der Frei AquaService AG. Die eigentliche Empfehlung aber muss man sich verdienen.

GEO: neues Kürzel, bekanntes Fundament

GEO steht für Generative Engine Optimization, also die Arbeit daran, in den Antworten generativer KI-Systeme genannt und als Quelle zitiert zu werden. Das klingt nach einer völlig neuen Disziplin. Google sieht das nüchterner: In seinem Leitfaden zur Optimierung für generative KI-Funktionen hält Google fest, dass die bewährten SEO-Grundlagen weiterhin gelten, weil KI-Übersichten und KI-Modus auf denselben Ranking- und Qualitätssystemen beruhen wie die normale Suche. Aus Googles Sicht ist Optimierung für KI-Suche schlicht SEO.

In der Praxis stimmt beides. Ohne SEO-Fundament gibt es keine KI-Sichtbarkeit. KI-Systeme stellen aber Fragen, die klassisches SEO lange vernachlässigt hat: Ist dieses Unternehmen eindeutig identifizierbar? Stimmen die Angaben überall überein? Gibt es überprüfbare Fakten, die sich zitieren lassen?

Abbildung 2: Klassische Suche und KI-Suche im Vergleich

Der 15-Minuten-Test: Empfiehlt die KI Ihr Startup?

Bevor Sie Massnahmen planen, lohnt sich eine ehrliche Bestandesaufnahme. Dafür brauchen Sie weder Tools noch Budget:

  1. Notieren Sie fünf Fragen, die Ihre Wunschkundschaft tatsächlich stellen würde, und formulieren Sie diese als ganze Sätze, zum Beispiel: «Welche Software eignet sich für die Ferienplanung in einem Schweizer KMU?»
  2. Stellen Sie jede Frage in ChatGPT, Perplexity, Gemini und in der Google-Suche. Starten Sie dafür jeweils einen neuen Chat, damit frühere Unterhaltungen das Ergebnis nicht beeinflussen.
  3. Halten Sie fest, ob Ihr Startup genannt wird, welche Mitbewerber erscheinen und welche Quellen verlinkt sind.

Der wertvollste Teil sind die Quellen. Sie zeigen, welche Websites, Verzeichnisse, Fachmedien und Vergleichsportale die KI in Ihrem Markt für vertrauenswürdig hält, und damit, wo Sie präsent sein sollten. Da KI-Antworten schwanken, sollten Sie den Test regelmässig wiederholen, statt ein einzelnes Ergebnis überzubewerten.

Abbildung 3: So kann die Auswertung aussehen (fiktives Beispiel)

Das 3-Ebenen-Modell: auffindbar, einordenbar, empfehlbar

In unseren GEO-Mandaten bei der Zürcher SEO-Agentur sehen wir immer wieder dasselbe Muster: Wer in KI-Antworten fehlt, hat selten ein «KI-Problem». Meist fehlt eine von drei Ebenen, auf denen Sichtbarkeit aufbaut. Die Ebenen bauen aufeinander auf. Wer die unterste auslässt, erreicht die oberste nicht.

Abbildung 4: Das 3-Ebenen-Modell der Sichtbarkeit

Ebene 1: Auffindbar: Kann die Maschine Sie überhaupt lesen?

KI-Systeme erfinden keine Empfehlungen. Sie durchsuchen das Web und fassen zusammen, was sie dort finden. Was nicht gelesen werden kann, wird auch nicht empfohlen. Das Pflichtprogramm:

  • Eine eigene Seite pro Leistung oder Produkt, mit klarem Seitentitel und einer eindeutigen Hauptaussage.
  • Die zentralen Inhalte stehen als Text auf der Seite und nicht nur in Bildern, Videos oder Elementen, die erst nachträglich per JavaScript geladen werden.
  • Die Website ist schnell, funktioniert auf dem Smartphone und ist in der Google Search Console angemeldet. Dort bietet Google inzwischen einen eigenen Leistungsbericht für generative KI-Funktionen an.
  • Die Bing Webmaster Tools sind eingerichtet. Microsoft Copilot baut auf Bing auf, und die Einrichtung dauert nur wenige Minuten.
  • Mehrsprachige Seiten sind sauber miteinander verknüpft (hreflang), damit Suchmaschinen jeder Sprache die passende Version zeigen.
Aus der Praxis: die unsichtbare SperreBei der Analyse mehrerer KMU-Websites stellten wir fest, dass die Server automatisierte Zugriffe blockierten. Für Menschen funktionierten die Seiten tadellos, für Maschinen blieben sie verschlossen. Prüfen Sie deshalb neben der robots.txt auch Hosting, CDN und Sicherheits-Plugins, und klären Sie, ob eine Sperre bewusst gesetzt ist. Differenzieren lohnt sich: OpenAI trennt zum Beispiel zwischen GPTBot, der Inhalte für das Training sammelt, und OAI-SearchBot, der für die Suche in ChatGPT zuständig ist. Wer kein Training möchte, kann die Suche trotzdem zulassen. Auch Cloudflare unterscheidet seit Juli 2026 zwischen Such-, Agenten- und Trainings-Crawlern.

Ebene 2: Einordenbar: Weiss die KI, wer Sie sind?

Eine KI empfiehlt nur, was sie eindeutig zuordnen kann: Wer sind Sie, was bieten Sie an, für wen, wo, und wer steht dahinter? Für Startups ist das die tückischste Ebene, weil ihnen die lange Online-Geschichte etablierter Firmen fehlt und weil kreative Firmennamen oft schon anderswo vergeben sind. Zum Pflichtprogramm gehören identische Firmendaten auf Website, im Handelsregister (Zefix), auf LinkedIn, im Google-Unternehmensprofil und in Branchenverzeichnissen. Das Google-Unternehmensprofil nennt Google sogar ausdrücklich als Weg, in KI-Antworten sichtbar zu werden. Strukturierte Daten nach Schema.org helfen zusätzlich beim Einordnen, sind laut Google aber keine Voraussetzung. Vier Beobachtungen aus unserer Arbeit:

Das Namensvetter-Problem. Bei einem Kunden stellte sich heraus, dass die naheliegende LinkedIn-Adresse mit seinem Firmennamen einem Transportunternehmen in Belgien gehört. Für Menschen ist das ein Detail, für eine KI ein Widerspruch: Welche Firma ist gemeint? Prüfen Sie deshalb, ob es Namensvettern gibt, und verknüpfen Sie Ihre echten Profile konsequent mit Ihrer Website.

Der Impressum-Klassiker. Ein wiederkehrender Fehler in Schweizer Impressen: Die UID (CHE-…) und die Handelsregisternummer (CH-…) werden verwechselt oder vermischt. Gleichen Sie beide Angaben mit dem Handelsregister ab. Wo sich Quellen widersprechen, wird es für Maschinen schwierig, Ihnen zu vertrauen.

Menschen statt anonymer Teams. Beim Personal-Training- und Physiotherapie-Studio FitCube im Zürcher Seefeld bauen wir deshalb für jedes Teammitglied eine eigene Profilseite auf, statt alle auf einer Sammelseite aufzuführen. Das zahlt direkt auf das ein, was Google E-E-A-T nennt: Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit.

Erwähnungen dort, wo Ihre Kundschaft liest. Die MDS Haustechnik GmbH setzt dafür auf redaktionelle Beiträge in regionalen Medien wie der Zuger Woche und luzern.im, der Förderbandhersteller IBAG Fördertechnik AG auf Fachbeiträge in der Lebensmittel-Fachpresse. Gekaufte Scheinerwähnungen bringen laut Google wenig. Echte Präsenz in relevanten Medien, Verzeichnissen und Bewertungsportalen ist die bessere Investition. Ein Fachbeitrag wie dieser ist übrigens genau so eine Erwähnung.

Unser Werkzeug: die FaktenseiteFür Kunden wie die Connova erstellen wir zusätzlich eine sogenannte Faktenseite: eine schlichte, öffentliche Seite mit allen geprüften Unternehmensdaten, von Rechtsform und UID über Standorte und Angebot bis zu den häufigsten Kundenfragen. Alle Angaben sind mit dem Handelsregister abgeglichen und über strukturierte Daten mit den offiziellen Profilen verknüpft. Die Faktenseite ist keine Werbeseite, sondern ein Nachschlagewerk, auf das sich Menschen und Maschinen verlassen können. Spezialdateien braucht es dafür nicht, eine gut gepflegte normale Webseite genügt.

Abbildung 5: Anatomie einer Faktenseite

Ebene 3: Empfehlbar: Gibt es etwas, das sich zitieren lässt?

Die oberste Ebene entscheidet, ob die KI Sie nicht nur kennt, sondern empfiehlt. Google unterscheidet in seinem Leitfaden ausdrücklich zwischen austauschbaren Allerweltsinhalten und Inhalten mit eigener Perspektive und Erfahrung. Der Grund ist einfach: Was überall steht, muss niemand zitieren.

  • Beantworten Sie echte Kundenfragen direkt: zuerst die Antwort in ein bis zwei Sätzen, danach die Details.
  • Nennen Sie überprüfbare Fakten wie Zielgruppe, Einsatzgebiet, Preisrahmen und Unterschiede zu Alternativen. Allgemeine Werbesprache lässt sich nicht zitieren.
  • Teilen Sie eigenes Wissen: Erfahrungen aus Kundenprojekten, eigene Zahlen, Fallbeispiele. Genau das kann keine KI aus bestehenden Texten zusammensetzen.
  • Bieten Sie Entscheidungshilfen an, etwa «Für wen eignet sich Lösung A, für wen Lösung B?». Solche Inhalte beantworten genau die Fragen, die Menschen einer KI stellen.
Aus der Praxis: Antworten statt VersprechenDie Frei AquaService AG, ein Schweizer Spezialist für Wasseraufbereitung, beantwortet auf der eigenen Website Fragen, die Kundinnen und Kunden tatsächlich stellen, etwa ob magnetische Wasserenthärter halten, was sie versprechen, oder wie sich PFAS aus dem Leitungswasser filtern lassen. Dazu kommen Referenzprojekte mit überprüfbaren Details: Für den Service-Standort von Koenigsegg Schweiz in Adligenswil wurde eine Anlage für entmineralisiertes Spülwasser bewusst nach dem tatsächlichen Bedarf dimensioniert und nicht möglichst gross. Solche konkreten, belegbaren Geschichten sind der Stoff, aus dem Empfehlungen entstehen.

Und für Startups? Ein fiktives Zürcher HR-Tech-Startup schreibt auf seiner Startseite «Wir revolutionieren HR». Für eine KI ist dieser Satz wertlos. Besser wäre: «Software für die Absenzen- und Ferienplanung in Schweizer KMU mit 10 bis 250 Mitarbeitenden, ab CHF 4 pro Person und Monat, mit Datenhaltung in der Schweiz.» Dieser eine Satz liefert alles, was eine Empfehlung braucht: was, für wen, zu welchem Preis und mit welchem Vorteil.

Drei GEO-Mythen, die Zeit und Geld kosten

  1. «Ich brauche eine llms.txt-Datei.» Google ignoriert solche Dateien für die Suche. Sie schaden nicht, bringen bei Google aber auch keinen Vorteil.
  2. «Texte müssen für KI in kleine Häppchen zerlegt werden.» Laut Google ist das nicht nötig. Gut gegliederte Texte für Menschen genügen.
  3. «Viele Erwähnungen helfen viel.» Künstlich erzeugte Erwähnungen bringen laut Google wenig. Entscheidend sind echte Nennungen in relevanten Quellen.

Andere KI-Anbieter können im Detail anders vorgehen als Google. Das Fundament bleibt jedoch dasselbe, und dort sollte Ihr knappes Budget zuerst hinfliessen.

Fünf Fehler, die Startups Sichtbarkeit kosten

  1. Die Website als digitales Pitch-Deck: viel Design, grosse Schlagworte, wenig konkrete Aussagen.
  2. Unbemerkt ausgesperrte Crawler: eine Standardeinstellung beim Hosting oder in einem Sicherheits-Tool, die niemand geprüft hat.
  3. Die falsche Sprache: nur englische Inhalte, obwohl die Schweizer Kundschaft auf Deutsch, Französisch oder Italienisch fragt.
  4. Widersprüchliche Firmenangaben: eine alte Adresse im Verzeichnis, eine falsche UID im Impressum, ein veraltetes Angebot im Google-Unternehmensprofil.
  5. Ein anonymes Team: keine Namen, keine Gesichter, keine Qualifikationen und damit nichts, worauf sich Vertrauen stützen kann.

Checkliste zum Nachmachen

  • Selbsttest mit fünf Kundenfragen in ChatGPT, Perplexity, Gemini und Google durchgeführt
  • Eine eigene Seite pro Leistung mit klarer Hauptaussage
  • Wichtige Inhalte als Text lesbar, nicht nur in Bildern oder Videos
  • Google Search Console und Bing Webmaster Tools eingerichtet
  • robots.txt, Hosting und CDN auf blockierte KI-Crawler geprüft
  • Firmendaten überall identisch: Website, Zefix, LinkedIn, Google-Unternehmensprofil
  • UID und Handelsregisternummer im Impressum geprüft
  • Eigene Profilseiten für die Köpfe hinter dem Unternehmen
  • Faktenseite mit geprüften Unternehmensdaten veröffentlicht
  • Präsent in Medien und Verzeichnissen, die die KI in Ihrem Markt zitiert
  • Häufige Kundenfragen direkt und konkret beantwortet
  • Referenzen mit überprüfbaren Details und eigenen Zahlen
  • Selbsttest alle drei Monate wiederholen und Ergebnisse vergleichen

→  Die Checkliste zum Ausdrucken und Teilen

Fazit: Empfehlungen kann man nicht kaufen, aber erarbeiten

Sichtbarkeit in KI-Suchen ist kein Ersatz für SEO, sondern dessen Weiterentwicklung. Wer auffindbar ist, eindeutig eingeordnet werden kann und zitierfähige Inhalte bietet, schafft die besten Voraussetzungen, in den Antworten von ChatGPT, Gemini oder Perplexity aufzutauchen. Garantien gibt es keine, weder bei Google noch bei den KI-Anbietern. Für Startups ist das trotzdem eine gute Nachricht: Diese Arbeit verlangt vor allem Klarheit und Konsequenz, nicht in erster Linie Budget. Und wer jetzt beginnt, baut einen Vorsprung auf, solange viele Mitbewerber noch abwarten. Der erste Schritt dauert 15 Minuten: Machen Sie den Selbsttest.

David Bachetti ist eidg. dipl. Web Project Manager (HFP), hat den CAS Advanced Digital Marketing an der ZHAW abgeschlossen und ist Gründer und CEO der Online Marketing Agentur Agent AGENTUR GmbH und der SEO Agentur Zürich, einer Google-Partner-Agentur im Raum Zürich. Mit seinem Team unterstützt er Schweizer KMU und Startups bei SEO, Google Ads und der Sichtbarkeit in KI-Suchen (GEO). Fachbeiträge von ihm erschienen unter anderem bei der ZHAW, der Zürcher Handelskammer und Marketing.ch.

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