Von der Forschung in die Praxis: Warum die Schweiz Innovationszonen braucht

Die Schweiz entwickelt Innovationen, doch getestet und skaliert werden viele davon im Ausland.

Die Schweiz zählt zu den innovativsten Ländern der Welt. Hochschulen wie ETH Zürich oder EPFL bringen regelmässig erfolgreiche Spin-offs hervor, während Startups neue Technologien in Bereichen wie KI, Robotik, Mobilität oder HealthTech entwickeln.

Doch zwischen Forschung und realer Anwendung entsteht oft eine entscheidende Lücke. Gerade wenn Startups ihre Technologien ausserhalb des Labors pilotieren möchten, stossen sie schnell an regulatorische und administrative Grenzen. Bewilligungsverfahren sind komplex, Zuständigkeiten fragmentiert und rechtliche Unsicherheiten hoch. Was im Labor funktioniert, kann in der Praxis häufig nur eingeschränkt oder mit grossem Aufwand getestet werden.

Genau hier setzt ein aktuelles Postulat von Islam Alijaj an. Der Bundesrat soll prüfen, wie sogenannte Innovationszonen in der Schweiz geschaffen und gesetzlich verankert werden können.

Die Idee dahinter ist einfach: klar definierte Räume zu schaffen, in denen neue Technologien oder Geschäftsmodelle unter kontrollierten Bedingungen schneller getestet, weiterentwickelt und zur Anwendung gebracht werden können.

Der Bundesrat sieht derzeit keinen Bedarf für die Schaffung spezieller Innovationszonen. In seiner Stellungnahme verweist er darauf, dass die Schweiz bereits über etablierte Instrumente zur Innovationsförderung verfügt, darunter Innosuisse, den Schweizerischen Innovationspark sowie die Förderung von Hochschulen und Technologiezentren. Aus seiner Sicht sollten Verbesserungen der Rahmenbedingungen grundsätzlich allen Unternehmen offenstehen und nicht auf bestimmte geografische Gebiete beschränkt werden.

Gleichzeitig bleibt die Frage aktuell, wie innovative Unternehmen neue Technologien schneller unter realen Bedingungen testen und zur Marktreife bringen können. Gerade in technologieintensiven Bereichen ist die Möglichkeit zur Pilotierung häufig ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Was mit «Innovationszonen» konkret gemeint ist

Wichtig ist dabei die Definition des Begriffs. Innovationszonen sollen keine rechtsfreien Räume sein. Es geht auch nicht darum, Unternehmen pauschale Ausnahmen von bestehenden Regeln zu gewähren.

Vielmehr geht es um klar definierte Test- und Entwicklungsräume, in denen neue Technologien und Geschäftsmodelle pilotiert  werden können.

Solche Innovationszonen könnten beispielsweise:

  • regulatorische Pilotprojekte ermöglichen
  • Bewilligungsverfahren vereinfachen
  • Testfelder für neue Technologien schaffen
  • Steuerliche Erleichterungen schaffen
  • Vereinfachte Kooperationen fördern
  • die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Hochschulen und Startups erleichtern
  • sowie den Transfer von Innovationen in die Anwendung beschleunigen

Internationale Beispiele zeigen, dass solche Modelle insbesondere in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Robotik, Mobilität oder Drohnentechnologie erfolgreich eingesetzt werden.

Für die Schweiz könnte dies ein wichtiger Schritt sein, um Innovation nicht nur in der Forschung zu fördern, sondern auch deren praktische Umsetzung gezielt zu beschleunigen.

Innovation scheitert oft nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung

Viele Schweizer Startups verfügen über starke Technologien, hochqualifizierte Teams und Zugang zu exzellenter Forschung. Was häufig fehlt, ist die Möglichkeit, Innovationen effizient in der Praxis zu testen.

Wer beispielsweise autonome Systeme, Robotik oder Drohnen entwickelt, kann diese nicht einfach im öffentlichen Raum testen. Für Pilotprojekte sind oft zahlreiche Bewilligungen notwendig. Unterschiedliche Behörden sind zuständig, Prozesse dauern lange und regulatorische Unsicherheiten erschweren die Planung.

Das hat direkte Auswirkungen:

  • Entwicklungszyklen verlängern sich
  • Pilotprojekte verzögern sich
  • Investitionen werden schwieriger
  • Innovationen gelangen langsamer in den Markt

Gerade in technologieintensiven Bereichen ist eine frühe Pilotierung entscheidend. Wer nicht schnell genug pilotieren kann, verliert wertvolle Zeit.

Internationale Beispiele zeigen, wie Innovationsräume funktionieren

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass viele Länder gezielt regulatorische Freiräume für Innovation schaffen.

In den USA existieren beispielsweise in Bundesstaaten wie Arizona oder Kalifornien regulatorische Rahmenbedingungen und Testprogramme für autonome Fahrzeuge. Unternehmen wie Waymo konnten dort autonome Fahrzeuge unter realen Bedingungen im öffentlichen Raum testen und weiterentwickeln. Solche Ansätze ermöglichen es, neue Mobilitätslösungen schneller zu pilotieren und praktische Erfahrungen frühzeitig zu sammeln.

Auch Singapore setzt seit Jahren gezielt auf innovationsfreundliche regulatorische Ansätze und sogenannte Regulatory Sandboxes, beispielsweise im Finanz- und Technologiesektor. Unternehmen können neue Technologien dort unter klar definierten Bedingungen testen, bevor umfassende gesetzliche Anpassungen vorgenommen werden.

China wiederum hat in Regionen wie Shenzhen starke Innovationscluster aufgebaut, in denen Forschung, Industrie, Produktion und Pilotierung eng miteinander verbunden sind. Dadurch können neue Technologien deutlich schneller skaliert werden.

Diese Beispiele zeigen: Innovation wird international nicht nur gefördert, sondern aktiv ermöglicht.

Die Schweiz verfügt über Potenzial, aber noch über keinen koordinierten Ansatz

Auch in der Schweiz existieren bereits erste Ansätze in diese Richtung. Innovationsparks, Forschungscluster sowie einzelne Testfelder für Drohnen oder neue Mobilitätslösungen zeigen, dass das Potenzial vorhanden ist.

Zudem arbeiten Hochschulen und Forschungsinstitutionen bereits eng mit Startups zusammen, um neue Technologien voranzutreiben.

Das Problem ist jedoch, dass viele dieser Initiativen lokal begrenzt, zu klein, thematisch isoliert oder stark von einzelnen Akteuren abhängig sind. Es fehlt ein koordinierter nationaler Ansatz, der solche Innovationsräume systematisch ermöglicht und startupfreundlich gestaltet.

Genau hier könnte das vorgeschlagene Konzept der Innovationszonen von Nationalrat Alijaj ansetzen.

Warum Innovationszonen für Startups entscheidend sind

Für Startups reicht es nicht aus, gute Ideen oder starke Forschung zu haben. Entscheidend ist, wie schnell neue Technologien validiert und in den Markt gebracht werden können.

Gerade für Startups in Bereichen wie:

  • künstliche Intelligenz
  • Robotik
  • Mobilität
  • Drohnentechnologie
  • DeepTech
  • HealthTech

kann die Möglichkeit zur Pilotierung entscheidend sein. Damit könnten Innovationszonen zu einem wichtigen Standortvorteil für die Schweiz werden.

Weshalb wir die Idee von Innovationszonen unterstützen

Die Swiss Startup Association sieht in Innovationszonen einen potenziell wichtigen Ansatz, um die Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen in der Schweiz weiter zu verbessern.

Gerade in technologieintensiven Bereichen sind Möglichkeiten zur Pilotierung und Validierung neuer Lösungen entscheidend. Innovationszonen könnten dazu beitragen, den Transfer von Forschung in die Praxis zu beschleunigen, die Zusammenarbeit zwischen Startups, Hochschulen und Industrie zu fördern und Innovationen schneller zur Anwendung zu bringen.

Wichtig ist dabei insbesondere:

  • klare gesetzliche Grundlagen
  • startupfreundliche Prozesse
  • pragmatische Bewilligungsverfahren
  • ein koordinierter nationaler Ansatz

Innovationszonen sollten dabei nicht als regulatorische Ausnahmezustände verstanden werden, sondern als kontrollierte und verantwortungsvolle Entwicklungsräume für neue Technologien.

Fazit: Die Schweiz braucht mehr Raum für Pilotierung und Innovation

Damit die Schweiz langfristig zu den weltweit führenden Innovationsstandorten gehört, braucht es Rahmenbedingungen, die eine verantwortungsvolle und schnelle Pilotierung neuer Technologien ermöglichen.

Unabhängig vom Ausgang dieses konkreten Vorstosses bleibt die Frage aktuell, wie innovative Unternehmen neue Technologien schneller testen, validieren und zur Marktreife bringen können. Innovationszonen könnten dabei ein möglicher Ansatz sein.

News

Other, related articles you may like

The Protection Playbook For AI And Data Startups
Beyond The Founder Building The Team That Scales

Become a member today

Join us as a member and enjoy various benefits that will take your startup to the next level!

Join the movement!