Wachstumslücke statt Innovationsmangel: Wie gut unterstützt die Schweiz ihre Startups wirklich?

Ein Warnsignal für den Startup-Standort Schweiz

Der Rückgang der Startup-Investitionen ist kein temporärer Ausrutscher, sondern ein ernstzunehmendes Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Im Jahr 2024 sind die Investitionen in Schweizer Startups um rund 15% gesunken. Besonders betroffen sind junge Unternehmen in der Wachstumsphase. Genau in dieser Phase entscheidet sich, ob Innovationen in der Schweiz weiterentwickelt und skaliert werden oder ob Expansionen, Übernahmen und Börsengänge im Ausland stattfinden. Die Interpellation von Nationalrätin Jacqueline de Quattro greift diese Entwicklung auf und stellt eine zentrale Frage: Erhalten unsere Startups jene Unterstützung, die sie für nachhaltiges Wachstum benötigen?

Stark in der Frühphase, schwach im Wachstum

Die Schweiz hat kein Innovationsproblem, sondern ein Wachstumsproblem. Das Land verfügt über eine exzellente Forschungslandschaft und investiert massiv in Forschung und Entwicklung. Öffentlicher und privater Sektor investieren jährlich rund 22 Milliarden Franken in Innovation. Programme wie Innosuisse unterstützen Startups erfolgreich in der frühen Phase, bei der technologischen Entwicklung, beim Wissenstransfer und beim Markteintritt. Diese Instrumente sind eine klare Stärke des Schweizer Innovationssystems.

Wenn Wachstum mehr Kapital braucht

Die strukturelle Lücke bei der Wachstumsfinanzierung führt zu einer massiven Abhängigkeit von ausländischem Kapital und damit zum Kontrollverlust über Schweizer Schlüsseltechnologien. Bereits heute stammen rund 77% der Wagniskapitalfinanzierung von Schweizer Startups aus dem Ausland; bei den jüngsten Finanzierungsrunden der vielversprechendsten Unternehmen liegt dieser Anteil sogar bei rund 90%. Diese Entwicklung ist die direkte Folge davon, dass es für Scaleups in der Schweiz an ausreichend verfügbarem Wachstumskapital fehlt, sobald der Kapitalbedarf steigt und Finanzierungsrunden grösser werden. 

Matching Grants als Wachstumshebel

Vor diesem Hintergrund rücken Matching Grants als möglicher Lösungsansatz in den Fokus. Öffentliche Mittel würden dabei nur eingesetzt, wenn auch private Investoren Kapital einbringen. Der Staat ergänzt den Markt gezielt, ohne unternehmerische Entscheidungen zu ersetzen. Internationale Beispiele aus Grossbritannien, Südkorea oder Singapur zeigen, dass dieses Instrument Innovation fördert, Investitionen hebelt und Risiken reduziert.

Auch der Bundesrat anerkennt den grundsätzlichen Nutzen solcher Modelle, lehnt deren Einführung aber derzeit ab. Analysen im Auftrag der Bundesverwaltung zeigen, dass ein Innovationsfonds den Reifegrad des Schweizer Risikokapitalmarktes erhöhen könnte. Gleichzeitig verweist der Bundesrat auf den fehlenden finanzpolitischen Handlungsspielraum und auf bestehende Instrumente, insbesondere auf die Projektförderung von Innosuisse als Form von Matching Grants.

Anerkannt, aber nicht umgesetzt

Diese bestehenden Instrumente sind wichtig, reichen für die Wachstumsphase jedoch nicht aus. Sie adressieren primär frühe Phasen und projektbezogene Innovation. Für wachstumsstarke Startups mit internationalem Skalierungspotenzial fehlen weiterhin gezielte Instrumente, die grössere Finanzierungsrunden ermöglichen und Wachstum mit Standortbindung verbinden.

Auch institutionelle Investoren wie Pensionskassen spielen hier eine zentrale Rolle. Seit 2022 dürfen sie bis zu 5%  ihres Kapitals in Wagniskapital investieren. Dieser Spielraum wird jedoch bislang kaum genutzt. Die Gründe dafür sind unklar und sollen nun politisch aufgearbeitet werden.

Handlungsbedarf jenseits der Frühphase

Genau hier setzt das vom Ständerat überwiesene Postulat der WBK-SR an. Der Bundesrat wird beauftragt zu untersuchen, weshalb die Schweiz in der Wachstumsphase an Boden verliert und wie die Rahmenbedingungen für Investitionen in Startups verbessert werden können. Dabei sollen unter anderem internationale Modelle verglichen, Investitionshemmnisse identifiziert und die Rolle der Pensionskassen vertieft analysiert werden.

Dass dieses Postulat angenommen wurde, ist ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass die Problematik nicht nur punktuell, sondern strukturell erkannt wird. Entscheidend wird jedoch sein, ob aus der Analyse konkrete Massnahmen folgen.

Eine Wachstumsstrategie für den Standort Schweiz

Aus Sicht der Swiss Startup Association benötigt die Schweiz eine kohärente, international wettbewerbsfähige Wachstumsstrategie für Startups. Dazu gehören marktwirtschaftliche Instrumente wie Matching Grants, eine stärkere Mobilisierung von inländischem Kapital sowie eine klare rechtliche Grundlage für einen Wachstumsmarkt, der funktional einem EU Growth Regime entspricht. Ebenso wichtig sind attraktive Anreize für Schweizer Startups, an der Schweizer Börse zu bleiben oder in der Schweiz an die Börse zu gehen.

Die laufenden Prüfaufträge an den Bundesrat und die anstehende Debatte um die Interpellation von Nationalrätin de Quattro Bundesrat sind wichtige Schritte. Entscheidend wird jedoch sein, ob daraus konkrete politische Entscheidungen entstehen. Denn Innovationsförderung endet nicht im Labor. Sie entscheidet sich dort, wo Wachstum finanziert wird und wo Wertschöpfung langfristig im Land bleibt.

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