EasyGov und das Once only Prinzip: Bürokratie abbauen, Innovation ermöglichen

Der administrative Aufwand für Startups bleibt in der Schweiz hoch, weil das Once-only-Prinzip trotz EasyGov noch nicht konsequent umgesetzt ist. Der Alltag vieler Gründerinnen und Gründer ist nach wie vor von Prozessen geprägt, die zu viel Zeit und Energie binden, anstatt sich auf Produkt, Markt und Team konzentrieren zu können. Diese Herausforderung steht im Mittelpunkt der Interpellation von Nationalrätin Estelle Revaz, die auf die Notwendigkeit einer konsequenteren Umsetzung des Once-only-Prinzips hinweist.

EasyGov hat die digitale Unternehmensgründung in der Schweiz vereinfacht und wichtige Fortschritte ermöglicht. Die Plattform bündelt wichtige Schritte und reduziert einzelne Hürden, doch in der Praxis müssen Daten weiterhin mehrfach erfasst werden, Prozesse sind nicht durchgängig digital und verschiedene Behörden arbeiten mit eigenen Systemen. Die Plattform bündelt zwar wichtige Schritte und reduziert einzelne Hürden, aber der erhoffte Effizienzgewinn bleibt oft aus.

Zeitfresser Bürokratie statt One-Stop-Shop

Die fehlende Durchgängigkeit staatlicher Prozesse ist für Startups besonders kostspielig. Gerade in der frühen Phase sind personelle Ressourcen knapp. Jeder administrative Umweg verzögert Entwicklungsschritte und bindet Kapital. Wenn Daten mehrfach erfasst werden müssen oder Prozesse nicht durchgängig digital sind, entsteht ein Aufwand, der für Startups besonders schwer wiegt. Was als One-Stop-Shop gedacht ist, funktioniert in vielen Fällen erst als Einstiegspunkt in eine fragmentierte Verwaltungslandschaft.

Fortschritte anerkannt – strukturelles Problem bleibt

Die Spannung zwischen der langsamen politischen Planung und der schnellen unternehmerischen Realität bleibt das Kernproblem, auch wenn der Bundesrat auf Fortschritte verweist. Aus Sicht des Bundesrats ist der eingeschlagene Weg mit EasyGov ausreichend, doch aus der Perspektive vieler Startups ist er zu langsam und zu fragmentiert. Zwar ermöglicht die Plattform seit 2017 digitale Gründungen und eine neue Architektur (EasyGov 2.0) sowie die Digitalisierung des Notariatsrechts sind geplant, doch der Zeithorizont bis frühestens 2029 ist für die Startup-Welt eine Ewigkeit. Zudem bleiben zentrale Schritte wie Versicherungen, arbeitsrechtliche Bewilligungen und unterschiedliche kantonale Prozesse ausserhalb des Systems.

Ein Vergleich mit anderen Innovationsstandorten zeigt den Handlungsbedarf deutlich auf. Während in Ländern wie Estland, Singapur oder den Niederlanden Unternehmen vollständig digital und innerhalb von 24 Stunden gegründet werden können, dauern Gründungen in der Schweiz oft mehrere Wochen und sind mit deutlich höheren Kosten verbunden. EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am WEF ebenfalls eine entsprechende Initiative für einen EU-One-Stop-Shop (EU-INC) angekündigt.

Weshalb wir als Startup-Verband dranbleiben

Der Bundesrat anerkennt das Ziel der administrativen Vereinfachung, zieht daraus aber keine neuen Schlussfolgerungen. Klar, es laufen bereits Projekte, es gibt Roadmaps, es gibt gesetzgeberische Prozesse. Inhaltlich bleibt jedoch eine zentrale Frage offen: Reicht das aktuelle Tempo und die bestehende Fragmentierung aus?

Aus Sicht der Swiss Startup Association lautet die Antwort: Nein, es reicht nicht aus. Bürokratie ist für Startups kein Ärgernis, sondern ein Kostenfaktor. Zeit, die in administrative Prozesse fliesst, fehlt für Produktentwicklung, Markteintritt und Wachstum. Gerade in frühen Phasen sind personelle und finanzielle Ressourcen knapp, Verzögerungen wirken direkt wachstumshemmend.

Die Haltung des Bundesrats beendet die Debatte nicht, sondern eröffnet sie erst richtig. Wir wollen EasyGov weder schlechtreden noch laufende Projekte dazu ignorieren, sondern in einem konstruktiven Dialog bleiben, wie man trotz der langen Planungshorizonte des Bundesrats raschere Verbesserungen erzielen könnte. Es geht darum, den Anspruch des Once-only-Prinzips ernst zu nehmen und konsequent umzusetzen: Durchgängige digitale Prozesse, klare Zuständigkeiten, kurze Bearbeitungszeiten und eine echte Bündelung startup relevanter Leistungen.

Eine leistungsfähige, digitale Verwaltung ist längst ein zentraler Standortfaktor. Wer Innovation will, muss nicht nur Förderprogramme auflegen, sondern auch administrative Hürden abbauen. Die Antwort des Bundesrats zeigt, wo die Schweiz heute steht. Als Verband werden wir weiterhin mit den notwendigen Stakeholdern aus Politik und Verwaltung zusammenarbeiten, um schnellere Verbesserungen zu erzielen.

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